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n8n vs. Make vs. Power Automate: Welches Automatisierungs-Tool passt zum Mittelstand?

n8n, Make und Power Automate im Vergleich: Preise, Hosting, DSGVO und Microsoft-Bindung – die Entscheidungskriterien für den deutschen Mittelstand.

n8n vs. Make vs. Power Automate: Welches Automatisierungs-Tool passt zum Mittelstand?

Für den deutschen Mittelstand ist keines der drei Tools per se das bessere – die passende Wahl hängt an vier Kriterien: wer die Workflows baut und pflegt, wie kritisch Self-Hosting und Datenhaltung sind, wie stark Sie bereits an Microsoft 365 gebunden sind, und wie sich die Kosten mit wachsender Nutzung entwickeln. n8n, Make und Power Automate lösen dieselbe Aufgabe – Systeme und Prozesse ohne klassische Softwareentwicklung zu verbinden –, unterscheiden sich aber in genau diesen vier Punkten fundamental.

Vergleich auf einen Blick

Kriteriumn8nMakePower Automate
Betrieb der PlattformSelf-Hosted oder Anbieter-CloudNur Anbieter-CloudMicrosoft-Cloud
QuelloffenJa (Sustainable Use License)NeinNein
AbrechnungPro Workflow-AusführungPro Credit (Modul-Schritt)Pro Nutzer bzw. pro Bot
Einstiegspreis20 € / Monat9 $ / Monat15 $ / Nutzer / Monat
Passt zuDSGVO-sensiblen Prozessen, technisch versierten TeamsFachabteilungen ohne IT-Ressourcenbestehenden Microsoft-365-Landschaften
Größte EinschränkungSelf-Hosting braucht Betriebs-Know-howkeine Datenhoheitaußerhalb des Microsoft-Stacks aufwendig

Die drei Tools kurz eingeordnet

n8n ist eine Workflow-Automatisierungsplattform, die Sie entweder als Cloud-Dienst des Anbieters nutzen oder komplett selbst hosten können – auf eigener Infrastruktur, auch in Deutschland. Die Community-Version steht unter der Sustainable Use License und ist für den internen Geschäftsbetrieb kostenlos nutzbar; das Tool richtet sich technisch an Nutzer, die mit Knoten-basierten Workflows, gelegentlich auch mit eigenem Code (JavaScript/Python), arbeiten wollen oder externe Unterstützung dafür einkaufen.

Make (vormals Integromat) ist eine reine Cloud-Plattform ohne Self-Hosting-Option. Der visuelle Szenario-Editor richtet sich stärker an Business-User ohne Entwicklungshintergrund und deckt ein breites Spektrum an Drittanbieter-Integrationen ab.

Power Automate ist Teil der Microsoft Power Platform und dort am engsten mit Microsoft 365, Dynamics 365 und Dataverse verzahnt. Die Plattform läuft in Microsofts Cloud – die Workflows selbst binden aber routinemäßig Fremdsysteme über Konnektoren an, verarbeiten also keineswegs nur Daten innerhalb der Microsoft-Welt. Wer bereits im Microsoft-Ökosystem arbeitet, bekommt Standard-Konnektoren zu Outlook, Teams, SharePoint und Excel Online meist ohne Zusatzkosten mit der bestehenden M365-Lizenz; sobald ein Workflow auf Drittsysteme, Datenbanken oder externe APIs zugreift, kommen kostenpflichtige Premium-Konnektoren und ein eigenes Lizenzmodell ins Spiel.

Was die drei Tools konkret kosten

Alle Angaben stammen von den offiziellen Preisseiten der Anbieter, abgerufen am 4. August 2026, jeweils bei jährlicher Zahlweise. Zwei Dinge vorweg, ohne die die Zahlen in die Irre führen: Die Anbieter rechnen in unterschiedlichen Währungen ab (n8n in Euro, Make und Microsoft in US-Dollar), und sie messen völlig verschiedene Dinge – eine Ausführung, ein Credit und ein Nutzer sind nicht vergleichbar. Ein Preisvergleich Zeile für Zeile ist deshalb nicht möglich; sinnvoll ist nur der Vergleich der Kostenkurve über Ihr eigenes Mengengerüst.

n8n berechnet monatliche Workflow-Ausführungen, unabhängig davon, wie viele Schritte ein Workflow enthält. Alle Tarife enthalten unbegrenzt Nutzer, unbegrenzt Workflows und sämtliche Integrationen.

TarifPreis / MonatEnthaltenBetrieb
Starter20 €2.500 Ausführungenvon n8n gehostet
Pro50 €10.000 Ausführungenvon n8n gehostet
Business667 €40.000 Ausführungenself-hosted
Enterpriseauf Anfragefrei wählbargehostet oder self-hosted

Make berechnet Credits: Jeder einzelne Modul-Schritt in einem Szenario verbraucht einen Credit. Die Tarifpreise hängen deshalb direkt am gewählten Credit-Kontingent – die folgenden Preise gelten bei 10.000 Credits pro Monat.

TarifPreis / Monat bei 10.000 Credits
Free0 $ (max. 1.000 Credits)
Core9 $
Pro16 $
Teams29 $
Enterpriseauf Anfrage

Power Automate rechnet nutzer- beziehungsweise bot-basiert ab: Premium kostet 15 $ pro Nutzer und Monat, eine unbeaufsichtigte Prozessautomatisierung (Process) 150 $ pro Bot und Monat, die von Microsoft gehostete Variante (Hosted Process) 215 $ pro Bot und Monat. Dazu kommt eine 30-tägige kostenlose Testphase. Wer bereits eine Microsoft-365-Lizenz besitzt, kann einfache Cloud-Flows mit Standard-Konnektoren oft ohne Zusatzkosten bauen – sobald ein Workflow einen Premium-Konnektor benötigt, greift die kostenpflichtige Stufe.

Was daraus folgt, ist wichtiger als die einzelnen Beträge: Die Modelle skalieren in völlig unterschiedliche Richtungen. Ein einzelner, sehr komplexer Workflow, der selten läuft, ist bei n8n günstig und bei Make teuer, weil dort jeder Schritt zählt. Viele einfache Workflows für wenige Mitarbeitende sind bei Power Automate günstig, weil Sie nur die Nutzer lizenzieren. Und ein einzelner Prozess, der rund um die Uhr unbeaufsichtigt läuft, kostet bei Power Automate mit 150 $ pro Bot und Monat ein Vielfaches dessen, was ein n8n-Starter-Tarif kostet. Rechnen Sie deshalb nicht die Tarife gegeneinander, sondern Ihr eigenes Mengengerüst durch alle drei Modelle.

Die vier Entscheidungskriterien im Detail

1. Hosting und DSGVO

Für Mittelständler, die Kundendaten, Verträge oder Personalunterlagen durch Workflows schicken, ist die Hosting-Frage oft das wichtigste Kriterium. n8n ist das einzige der drei Tools, das echtes Self-Hosting erlaubt: Sie entscheiden, auf welchem Server in welchem Land die Automatisierungsplattform selbst läuft, und kontrollieren dort Backups, Zugriffsrechte und Löschfristen. Bei Make und Power Automate läuft die Plattform ausschließlich beim jeweiligen Anbieter; die Verarbeitung folgt dessen Auftragsverarbeitungsvertrag und den verfügbaren Rechenzentrums-Regionen. Beide Anbieter unterstützen vertraglich und über die Regionswahl eine EU-konforme Verarbeitung – „Cloud” heißt hier nicht automatisch „nicht datenschutzkonform”.

Und der Punkt, den Self-Hosting-Argumente regelmäßig überdehnen: Self-Hosting allein stellt keine vollständige Datenhoheit her. Es verlagert nur die Kontrolle über die Plattform. Sobald ein Workflow eine externe Schnittstelle aufruft – ein Sprachmodell, einen Mailversender, ein Cloud-CRM, eine Übersetzungs-API –, verlassen die Daten in genau diesem Schritt Ihre Infrastruktur, ganz gleich wo n8n läuft. Wer Datenhoheit ernst meint, muss die Kette prüfen, nicht nur den Server: Welche Schritte im Workflow rufen wen auf, mit welchen Daten, unter welchem Vertrag? Ein selbst gehostetes n8n, das jede Rechnung an ein Sprachmodell außerhalb der EU schickt, ist datenschutzrechtlich nicht besser gestellt als eine Cloud-Lösung mit sauberem Auftragsverarbeitungsvertrag.

Der Vorteil von Self-Hosting bleibt real, er ist nur enger: Sie entscheiden über den Betriebsort der Plattform, behalten die Daten in den Schritten bei sich, die keine externe Schnittstelle brauchen, und sind unabhängiger von Preis- und Produktentscheidungen eines Anbieters.

Beachten Sie dabei eine Eigenheit der n8n-Preisliste: Self-Hosting mit Herstellersupport beginnt erst im Business-Tarif bei 667 € pro Monat. Wer die Community-Edition selbst betreibt, zahlt keine Lizenzgebühr, hat dafür aber auch keinen vertraglichen Anspruch auf Support – dieser Betrieb gehört in kompetente Hände, intern oder über einen Dienstleister.

2. Zielgruppe und Technikaffinität

Make ist auf schnelle Ergebnisse für Fachabteilungen ohne IT-Hintergrund ausgelegt: viele vorgefertigte Vorlagen, ein aufgeräumter visueller Editor. n8n verlangt etwas mehr technisches Verständnis, bietet dafür aber mehr Kontrolle – bis hin zu eigenem Code für Sonderfälle, die sich mit reinen No-Code-Bausteinen nicht abbilden lassen. Power Automate liegt dazwischen, verlangt für alles jenseits einfacher M365-Automatisierungen aber Einarbeitung in Microsofts eigene Lizenz- und Konnektorlogik.

3. Ökosystem-Bindung

Wer schon heute vollständig auf Microsoft 365 und Dynamics setzt, profitiert bei Power Automate von der nahtlosen Integration und oft bereits vorhandenen Lizenzrechten. Der Preis dafür ist eine engere Bindung an das Microsoft-Ökosystem: Wechselt Ihr Unternehmen später Kernsysteme, wandern die Automatisierungen nicht ohne Weiteres mit. n8n und Make sind anbieterunabhängiger konzipiert und verbinden eine breite Zahl an Drittsystemen unabhängig vom eingesetzten Ökosystem.

4. Wer die Workflows später pflegt

Das am häufigsten unterschätzte Kriterium. Ein Automatisierungs-Workflow ist kein Projekt, sondern ein Betriebsgegenstand: APIs ändern sich, Zugangsdaten laufen ab, Datenformate verschieben sich. Klären Sie vor der Tool-Wahl, wer im Unternehmen einen stehengebliebenen Workflow bemerkt und repariert. Fällt die Antwort auf „niemand”, ist das ein Argument für das Tool mit der geringsten Betriebslast – nicht für das mit dem größten Funktionsumfang. Diese Frage gehört zu den teuersten Fehlern bei der KI-Einführung, weil sie sich erst Monate nach der Entscheidung bemerkbar macht.

Welches Tool passt zu welchem Szenario

  • Sie verarbeiten sensible Daten und wollen den Betriebsort der Plattform selbst bestimmen: n8n mit Self-Hosting ist die einzige der drei Optionen, die das leistet. Prüfen Sie zusätzlich, welche externen Dienste Ihre Workflows aufrufen – dort entscheidet sich der Rest.
  • Ihre Fachabteilung soll ohne IT-Abteilung selbst einfache Workflows bauen: Make bietet dafür den niedrigsten Einstiegsaufwand, und der Einstieg ist mit 9 $ pro Monat auch finanziell risikoarm.
  • Sie arbeiten bereits durchgängig mit Microsoft 365 und Dynamics: Power Automate nutzt vorhandene Lizenzen und Integrationen am direktesten. Prüfen Sie vorab, welche Ihrer geplanten Workflows mit Standard-Konnektoren auskommen – daran hängt, ob Sie überhaupt zusätzlich lizenzieren müssen.
  • Sie haben wenige, aber komplexe Workflows: Die ausführungsbasierte Abrechnung von n8n ist hier strukturell günstiger als Makes Credit-Modell, weil die Zahl der Schritte pro Durchlauf nicht ins Gewicht fällt.
  • Sie wollen einen Prozess unbeaufsichtigt rund um die Uhr laufen lassen: Rechnen Sie bei Power Automate mit 150 $ pro Bot und Monat und vergleichen Sie das gegen einen n8n- oder Make-Tarif, bevor Sie sich festlegen.

Für den Mittelstand heißt das

Die Tool-Frage sollte nie am Anfang stehen, sondern am Ende einer kurzen Anforderungsklärung: Welche Systeme müssen verbunden werden, wie sensibel sind die verarbeiteten Daten, wie viele Ausführungen fallen realistisch an, und wer im Unternehmen wartet die Workflows später? Wer diese vier Fragen beantwortet hat, kann meist in einer Stunde entscheiden – statt sich in einem Feature-Vergleich zu verlieren, der ohnehin laufend veraltet.

Ein praktischer Hinweis zu den Preisen: Alle drei Anbieter ändern ihre Tarife regelmäßig, und die Zahlen oben sind ein Stand, keine Zusage. Verlässlich ist nicht der Tarifpreis, sondern das Abrechnungsprinzip – ausführungsbasiert, credit-basiert, nutzerbasiert. Das ändert sich selten und bestimmt, wie Ihre Kosten mitwachsen, wenn aus einem Pilotprozess zwanzig werden.

In der Praxis zeigt sich außerdem, dass die Wahl selten endgültig ist: Viele Mittelständler starten mit einem Tool für einen einzelnen Prozess und kombinieren später, wenn sich Anforderungen ändern. Genau deshalb arbeiten die Zukunftshelden bewusst tool-offen: mit einem Schwerpunkt auf n8n wegen der DSGVO-konformen Hosting-Option, aber ohne sich beim Einstieg auf ein einzelnes Tool zu versteifen, wenn der konkrete Anwendungsfall etwas anderes verlangt.

Ein sinnvoller erster Schritt, unabhängig vom Tool: Identifizieren Sie den einen Prozess mit dem größten Zeitgewinn – zum Beispiel aus diesen fünf typischen KI-Workflows für den Mittelstand – und bauen Sie darauf Ihren ersten Testlauf. Wie ein solcher Einstieg strukturiert abläuft, beschreibt unser Leitfaden zur KI-Einführung in fünf Phasen.

FAQ

Was kostet n8n, Make oder Power Automate im Einstieg?

Bei jährlicher Zahlweise startet n8n bei 20 € pro Monat für 2.500 Workflow-Ausführungen, Make bei 9 $ pro Monat für 10.000 Credits, und Power Automate bei 15 $ pro Nutzer und Monat für die Premium-Lizenz. Make bietet zusätzlich einen kostenlosen Tarif mit bis zu 1.000 Credits monatlich, n8n eine kostenlos selbst betreibbare Community-Edition. Die Beträge sind nicht direkt vergleichbar, weil die Anbieter unterschiedliche Einheiten abrechnen.

Welches Tool ist am günstigsten?

Das hängt an Ihrem Nutzungsprofil, nicht am Tarifpreis. Wenige komplexe Workflows sprechen für die ausführungsbasierte Abrechnung von n8n, viele einfache Automatisierungen für wenige Personen für die nutzerbasierte Lizenz von Power Automate, und ein risikoarmer Einstieg mit kleinem Volumen für Makes kostenlosen Tarif. Rechnen Sie Ihr eigenes Mengengerüst durch alle drei Modelle, bevor Sie sich festlegen.

Kann ich n8n, Make oder Power Automate ohne Programmierkenntnisse nutzen?

Ja, alle drei sind primär No-Code/Low-Code-Plattformen mit visuellen Editoren. Make richtet sich am stärksten an Nutzer ohne technischen Hintergrund, n8n erlaubt zusätzlich eigenen Code für Sonderfälle, und Power Automate setzt für einfache M365-Automatisierungen ebenfalls kein Programmierwissen voraus.

Welches Tool ist DSGVO-konform?

Alle drei lassen sich datenschutzkonform betreiben – die Konformität hängt nicht am Tool, sondern an Vertrag, Region und daran, welche Daten der Workflow wohin schickt. Der Unterschied: Nur n8n lässt sich selbst hosten, sodass Sie den Betriebsort der Plattform kontrollieren. Das ist nicht dasselbe wie vollständige Datenhoheit – sobald ein Workflow externe Dienste aufruft, etwa ein Sprachmodell, verlassen die Daten in diesem Schritt Ihre Infrastruktur. Prüfen Sie deshalb die gesamte Kette, nicht nur den Serverstandort.

Lohnt sich der Wechsel von Power Automate zu n8n oder Make, wenn wir schon Microsoft 365 nutzen?

Nicht automatisch. Wenn Ihre Automatisierungen sich auf Standard-M365-Dienste beschränken, ist Power Automate oft die einfachste Wahl, weil die Lizenzen meist schon vorhanden sind. Ein Wechsel lohnt sich vor allem dann, wenn Sie Systeme außerhalb der Microsoft-Welt einbinden müssen, Self-Hosting brauchen oder unbeaufsichtigte Prozesse betreiben wollen, bei denen die Bot-Lizenzierung schnell teuer wird.

Können wir mehrere dieser Tools parallel einsetzen?

Ja, das ist in der Praxis sogar üblich. Viele Mittelständler nutzen Power Automate für M365-nahe Standardprozesse und n8n oder Make für Workflows, die mehrere unterschiedliche Systeme verbinden oder besondere Anforderungen an Hosting und Flexibilität haben.